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Bei E-Tankstellen sollte alles so einfach wie im Supermarkt funktionieren
#Innovation #Nachhaltigkeit

Bei E-Tankstellen sollte alles so einfach wie im Supermarkt funktionieren

18 Februar
Roland Klauss, Gründer und CEO von EnerCharge, sieht die Ladeinfrastruktur als Schlüsseltechnologie für die E-Mobilität.
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Die Produkte des Kärntner Unternehmens bei großen öffentlichen Ladestationen sind heute ein Exportschlager.

EnerCharge ist ein Pionier bei der Entwicklung und Produktion von Ladestationen für die E-Mobilität. Vom Firmensitz in Kötschach-Mauthen aus, erobert das Unternehmen europäische und arabische Märkte.

Roland Klauss, Gründer und CEO von EnerCharge im Interview über die Bedeutung der E-Mobilität und die Weiterentwicklung seines Unternehmens.

Sie sind ein Spin-off eines Familienunternehmens, der AAE. Wie kamen Sie auf die Sparte Ladetechnik?

Roland Klauss: Die AAE-Firmengruppe betreibt seit 17 Jahren Forschung und Entwicklung im Bereich der E-Versorgung. Als Energieversorger haben wir schon vor Jahren mit Entwicklungen auf dem Gebiet der E-Mobilität geliebäugelt. Wie es der Zufall wollte, erhielten wir einen Entwicklungsauftrag des deutschen Konzerns Enercon im Bereich DC High-Power-Charging. Das hat uns sozusagen die Entwicklungstüren im anspruchsvollen Bereich der Ladetechnik mit sehr hohen Ladeströmen geöffnet. Mit dieser Technologie können übrigens auch Busse oder LKWs geladen werden.

Wie wichtig ist es, dass wir den Umstieg auf E-Mobilität auch in Österreich schaffen?

Wir sind davon überzeugt, dass Elektroautos einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten können. Einer der Schlüsselfaktoren für diese Mobilitätswende ist zweifelsfrei der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Nur eine flächendeckende und benutzerfreundliche Lade-Infrastruktur kann Elektromobilität für Autofahrer schneller attraktiv machen.

Was ist das meistverkaufte Produkt von EnerCharge?

Unsere Produktpalette deckt ein sehr breites Anforderungsprofil vom eBike bis zum E-LKW oder E-Bus ab. Wir haben uns einerseits Ladelösungen mit möglichst hoher Ladeleistung für Ultra-Schnellladen und andererseits auf große Ladeinfrastrukturen mit bis zu 40 Ladepunkten für Parkgaragen, Wohnanlagen oder Einkaufszentren spezialisiert. Gerade in diesen Bereichen braucht es viel Entwicklungs-Know-how, wodurch wir unsere Technologieführerschaft langfristig festigen können. Dazu zählen auch ein ausgeklügeltes Energiemanagement, um das Stromnetz zu schonen, und ein möglichst hoher Bezahlkomfort für den Endkunden. Wir bieten beispielsweise bereits jetzt die Bezahlung ohne Bindung oder Mitgliedschaften, so wie in einem Supermarkt. Ab Sommer 2023 ist diese Bezahlmethode laut Ladesäulenverordnung übrigens Vorschrift in Deutschland. In Österreich gibt es diesbezüglich leider noch keine endgültige Entscheidung der Politik.

Exportieren Sie ihre Produkte auch in andere Länder?

Wir erweitern unseren Markt praktisch jedes Jahr. Schon heute beliefern wir den gesamten europäischen Raum, Großbritannien und den arabischen Raum. Dass der Bedarf an unseren Ladeanlagen groß ist, zeigen auch die in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegenen Anfragen. Auch in Zukunft rechnen wir weiterhin mit einer steigenden Nachfrage

Wie steht es mit der Energieeffizienz beim Aufladen?

Das ist ein großes Thema, denn die maximalen Ladeleistungen der E-Fahrzeuge steigen mit jeder neuen Fahrzeuggeneration. Je nach Außen- und Akku-Temperatur schwanken die realen Ladeleistungen allerdings beträchtlich und kurzzeitige Ladespitzen belasten das Stromnetz. So gesehen wäre es eigentlich besser der Akku eines E-Fahrzeugs lädt durchgehend mit 100 kW als kurzzeitig mit 230 kW. Eine glattere Ladekurve wäre zudem effizienter und man könnte mehr E-Fahrzeuge gleichzeitig laden. Aus diesem Grund haben wir eine spezielle Schaltmatrix entwickelt, die dieses Problem löst und die Energieeffizienz beim Aufladen erhöht. Die Schaltmatrix erlaubt das gleichzeitige Laden von vier E-Fahrzeugen, denn die maximale Ladeleistung wird dem jeweiligen E-Fahrzeug automatisch angepasst. Diese Technologie bieten derzeit weltweit nur EnerCharge und ein weiteres Unternehmen.

Ist ihr Standort in Kötschach-Mauthen für eine Zukunftsbranche nicht etwas abgelegen?

Der Firmensitz liegt tatsächlich weitab von Autobahnen oder Städten. Angesichts der aktuellen Corona-Situation ist das aber kein Nachteil. Unsere Mitarbeiter kommen unter anderem aus Deutschland, Holland, Schweden, Rumänien und natürlich aus Österreich. Unser Vorteil ist sicherlich auch, dass wir als innovatives Unternehmen mit starkem Background hochwertige Jobs mit gutem Gehalt gewährleisten. Wir suchen unter anderem Entwickler, Projektmanager, Konzernbuchhalter oder Anwälte. Dazu kommen flexible Arbeitszeitmodelle mit Kernzeit vor Ort und Arbeit im Homeoffice. Nicht selten siedeln sich auch Mitarbeiter in der Region an und bringen ihre Familien mit. Deswegen verzichten wir auf kurzfristige Dienstverhältnisse und Saisonarbeiter. So gesehen profitieren wir davon, dass Corona eine Art Stadtflucht bewirkt hat.

Wie viele Mitarbeiter:innen beschäftigt die EnerCharge derzeit?

Derzeit beschäftigen wir im Kernbetrieb an die 50 Personen. Speziell in den letzten zwei Jahren sind wir stark gewachsen und wir rechnen auch in Zukunft mit weiterem Mitarbeiterwachstum.

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren auf sich zukommen?

Aufgrund der großen Nachfrage legen wir unseren Fokus in den nächsten Jahren neben einer stetigen Innovation auf einen weiteren Ausbau der Produktion. Wir haben schon in den vergangenen Jahren stark expandiert, wollen aber weiter zu einer globalen Marke wachsen. Hier haben wir natürlich noch einen weiten Weg vor uns, aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.

Was stimmt Sie optimistisch, wenn sie in die Zukunft denken?

Man sollte immer optimistisch bleiben. Für die Zukunft warten große Herausforderungen auf uns und die Gesellschaft. Da wären neben der Klimakrise auch die Mobilitätswende. Ich persönlich finde jedoch, dass man sich besonders dann auf die Chancen konzentrieren und Herausforderungen positiv annehmen soll. Ich hoffe, dass EnerCharge zur Lösung einen Beitrag leisten kann.

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